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03.06.2015

Restauration eines Oldtimers

Im Frühsommer 2014 wurde das Service-Team unserer Niederlassung Berlin gebeten, bei der Entsorgung einer alten Kälteanlage behilflich zu sein.

Der Eigentümer hatte bei dem Versuch, die Rohrleitungen zu trennen, einen stechenden Geruch wahrgenommen und sicherheitshalber eine Fachfirma gerufen. Unsere Mitarbeiter Mattias Hamann und Jens Fischer stellten fest, dass es sich bei der Altanlage offensichtlich um einen ziemlich alten, „offenen“ Verdichter handelte. Das Kältemittel war vermutlich Ammoniak.

Ammoniak in einer Gewerbekälteanlage? Das fachliche Interesse war geweckt, die Anlage wurde fachgerecht demontiert und der „Verdichtersatz“ in die Werkstatt der Niederlassung Berlin gebracht. Um erste Hinweise zu Alter und Herkunft der Anlage zu erhalten, nahm Herr Hamann mit Herrn Dipl.-Ing. A. Stenzel (Stuttgart) vom Verein „Historische Kälte- und Klimatechnik e. V.“ Kontakt auf.

Nach Auswertung diverser Fotos wurde die Anlage etwa auf den Zeitraum 1925 - 1935 datiert. Das deckt sich mit der historischen Entwicklung der Kälte- und Klimatechnik und der Kältemittel.

Schwieriger war es, Hinweise zur Herkunft der Anlage zu erhalten. Herr Stenzel vermutete, dass es sich um einen SÜMAK-Verdichter handeln könnte. Allerdings wurde die Wasserkühlung offenbar erst später nachgerüstet.

Zum Kältemittel Ammoniak findet sich kein Hinweis. Leider konnten bis heute keine weiteren Anhaltspunkte oder Hinweise zur Herkunft der Anlage gefunden werden.

Herr Hamann ist unter anderem auch für die Lehrausbildung in der Niederlassung Berlin zuständig. Im Herbst 2014 begannen die Auszubildenden Dennis Frederici und Martin Schulze ihre Ausbildung zum Mechatroniker für Kältetechnik.

Unter der fachlichen Anleitung von Herrn Hamann begannen die beiden Auszubildenden im September mit der Restauration der alten Anlage. Dabei wurde das Gerät zerlegt, gründlich gereinigt, Absperrventile gängig gemacht, defekte Teile repariert oder ersetzt. Zum Schluss wurde die Anlage neu lackiert, auf ein solides Holzpodest montiert und im Eingangsbereich der Niederlassung Berlin aufgestellt.

Mehr als 60 Arbeitsstunden wurden in die Restauration investiert. Dabei konnten die Auszubildenden auf ungewöhnliche und interessante Art das auch in unserer Branche so wichtige „Teamwork“ üben und gleichzeitig ihre ersten Eindrücke von Dingen wie Zylinderkopf, Ventilplatte, Stopfbuchse oder Absperrventil sammeln. Und nicht zuletzt ist es ein kleiner Beitrag zur Bewahrung der Geschichte der Kältetechnik in Deutschland.

Hintergrund-informationen: 

Anfang der 1920er Jahre war eine Vielzahl verschiedener Kältemittel in Gebrauch, darunter Ammoniak, Schwefeldioxid, Methylchlorid, Ethylchlorid, Isobutan, Ethylen, Methylenchlorid und Kohlendioxid. Die meisten giftig oder brennbar oder beides. Das ideale Kältemittel war zu dieser Zeit bereits Kohlendioxid - nicht brennbar und nicht toxisch. Allerdings waren diese Anlagen damals wegen der hohen Drücke sehr groß, sperrig und unzuverlässig - für Haushalt und Gewerbe nur bedingt geeignet. Anfang der 1930er Jahre entwickelte DuPont in den USA das erste FCKW-Kältemittel Dichlorfluormethan, kurz „Freon 12“. Das Kältemittel war nicht brennbar, nicht giftig, hatte einen niedrigen Siedepunkt und einen charakteristischen Geruch - ideal für Haushaltskühlschränke und Klein- sowie Gewerbekälteanlagen.

SÜMAK wurde 1917 als „Süddeutsche Maschinen- und Metallwarenfabrik“ in Stuttgart-Zuffenhausen eingetragen. Nach dem Fachmagazin „DIE KÄLTE-INDUSTRIE“ von 1932 produzierte SÜMAK damals …stehende, einfachwirkende Kompressoren mit hin- und hergehenden Kolben …Kältemittel Methylchlorid…

Quelle: HKK e. V.